mommy diary: Sehnsucht nach dem Beruf während der Elternzeit

Als Mutter in Elternzeit fühlt es sich manchmal an, als ob die Erde sich für alle weiter dreht, nur für mich nicht. Mein Leben dreht sich in diesem Jahr überwiegend um unseren Sohn. Ich koche ihm seinen Brei, putze die Wohnung und drehe mit dem Kinderwagen meine Runden durch den Park. Highlight eines Tages ist wahlweise das Kaffeetrinken mit anderen Mamis oder die Feuchttücher im Angebot bei dm. 

Während meine Freundinnen am Wochenende von wichtigen Meetings, beruflichen Aufstiegen oder Weiterbildungen erzählen versuche ich mich so gut es geht einzubringen, in Wahrheit denke ich aber gerade darüber nach, ob wir auf die günstigeren Pampers Simply dry umsteigen oder doch lieber bei Baby dry bleiben sollten und wie sich das wohl auf Babys Po auswirken könnte. Die Welten zwischen mir und meinen kinderlos-berufstätigen Freundinnen könnten momentan einfach nicht unterschiedlicher sein. 

Ich liebe meinen Sohn, ich liebe meine Rolle als Mutter (zumindest meistens 😉 ), aber nach 5 Monaten Fläschchen, Windeln und Mutti-Kaffee-Treffs sehne ich mich langsam nach der erwachsenen Welt. Der Welt, in der Kaffee heiß getrunken wird, man Sätze zu Ende sprechen kann und man „wichtige“ Termine mit „wichtigen“ Kunden hat und dafür die gute weiße Bluse anzieht (ohne nach 20 Minuten mit Milch-, Kürbiskotze und Sabber bedeckt zu sein).

Ich genieße die Elternzeit und betrachte dieses Jahr als großen Luxus, aber dennoch merke ich, das auch mein Beruf Teil meines Ichs ist. Ich, nicht wir. Nicht ich und Baby, nicht ich und Mann, sondern nur ICH, ich ganz allein für mich. 

Während ich mit meinem Sohn „Engelchen flieg“ spiele machen meine Freundinnen um die 30 die sogenannte „Karriere“, die wenigsten haben Kinder oder planen welche. Sie bilden sich weiter, steigen auf, werden Geschäftsführerinnen oder Abteilungsleiterinnen. Sie verdienen plötzlich viel Geld und geben viel aus. Ich dagegen bin jeden Monat aufs Neue über die Summe des Elterngeldes schockiert (das es Elterngeld gibt ist natürlich grandios, dennoch… Mamis: ihr wisst was ich meine…) und verweigere zwischenzeitlich einfach den Blick aufs Girokonto, dass so leer ist wie zu Studentenzeiten. Ich will nicht lügen, manchmal beschleicht mich dann auch ein Gefühl des Neides. Neid auf die Freiheit, den Erfolg, den Schlaf, das Geld und den Freiraum meiner Freundinnen. 

Aber wenn ich dann abends nach so einem Treffen mit meinen „Kinderlos-Freundinnen“ nach Hause komme und an das Bettchen meines Sohnes schleiche, er aufwacht, mich mit seinen riesigen stahlblauen Augen und Wimpern, für die ich morden würde anschaut und sein breitestes Lächeln aufsetzt, dann denke ich mir: was ist all der Erfolg, all das Geld und all die Freiheit wert, wenn einem das Schönste entgeht, was man sich vorstellen kann: bedingungslose, aufrichtige, ehrliche Kinderliebe. 

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